Helmut Kohl

Der Kongress tanzt nicht, er trauert

Man muss nur genau hinhören. Die Streicher spielen vorsichtig den ersten A-Dur-Akkord, ein schwerer, zweitaktiger Rhythmus legt sich über den Raum, beherrscht ihn, bis sich Bratschen und Violincelli dazugesellen. Dann ist es zu hören… ein leises, crescendo poco a poco erklingendes Wehklagen, unüberhörbar bahnt es sich durch die starren Verhältnisse der Prozession tief hinein in das menschliche Gehör. Der Atem stockt. Die Sargträger schreiten voran. Der Tote verlässt den Saal. Währenddessen übernehmen die ersten Violinen die zweite Stimme, die Schwere löst sich und lässt wohlklingende Höhen zu, man atmet durch – die Themen, anfangs mehr im Dunkeln liegend, stehen plötzlich in freundlich hellem Glanz dar.

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Koalitionsbruch

Parlamentarische Fahrlässigkeiten

Die Entwicklung der letzten Woche gleicht einem Politkrimi: Zuerst stellte sich Volker Beck vor die Delegierten des Grünen-Parteitags und forderte von seinen Parteikollegen die Öffnung der Ehe für Homosexuelle zur Koalitionsbedingung zu machen. Der Parteivorstand willigte mürrisch ein. Christian Lindner ging den nächsten Schritt und empfahl seiner FDP dem Beispiel der Grünen zu folgen. Schließlich signalisierte die Kanzlerin auf einem Podium der Zeitschrift ›Brigitte‹ überraschend, sie wolle die Frage dem parteipolitischen Streit entziehen und daraus eine »Gewissensentscheidung« machen. Im Bundestag werde die Fraktionsführung der CDU keine Fraktionsdisziplin einfordern.

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